Neuntklässler jagen Alkoholschmuggler der 1920er Jahre
Wolgast
Es roch nach Geschichte, Abenteuer und ein wenig nach Meeresbrise, als Besucher am 21.04.2026 die historische Eisenbahnfähre „Stralsund" betraten.
Doch statt Technikinteressierte belebten Gestalten in Tweed-Sakkos, Schiebermützen und mit geheimnisvollen Holzfässern das Deck.
In der Woche vom 20. bis 25. April 2026 verwandelte sich vier Orte Wolgast in eine Filmkulisse der Goldenen Zwanziger.
Im Rahmen einer Projektwoche tauchte eine 9. Klasse des Runge-Gymnasiums in die Kriminalgeschichte ihrer Heimat ein.
Unter der fachkundigen Leitung von Museumsleiter Stefan Rahde erforschten die Jugendlichen einen spektakulären Fall aus dem Jahr 1926, der damals die gesamte pommersche Ostseeküste in Atem hielt.
Von Danzig nach Berlin: Eine Route des Verbrechens
„Hochprozentiges" lautet der Arbeitstitel der für 2026 geplanten Sonderausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Wolgast, die den historischen Rahmen für das Schulprojekt bildete. Die Schüler rekonstruierten in drei Arbeitsgruppen die kriminellen Pfade der Schmuggler: Der Weg des illegalen Sprits führte von Destillen nahe Danzig über Kolberg bis in das beschauliche Fischerdorf Freest. Von dort aus wurde die heiße Ware mit kleineren Booten und findigen Versteckmanövern bis in die illegalen Bars der Metropole Berlin geschleust.
„Und Action!" – Geschichte wird lebendig
Besonders aufwendig gestaltete sich die Arbeit der achtköpfigen Mediengruppe. Unterstützt durch die Medienpädagogen Stefan Trampe und Jens Scherer, inszenierten die Jugendlichen sogenannte „Reenactment-Szenen". An vier historischen Originalschauplätzen – darunter die ehrwürdige St.-Petri-Kirche und die Eisenbahnfähre – wurden die Schmugglergeschäfte filmisch nachgestellt.
Für die Szenen in der urigen Kneipe „Felsenkeller" konnten die Schüler sogar lokale Prominenz vor die Kamera holen: David Adler, Leiter der Wolgaster Kulturgesellschaft, und Fabian Olbricht, Projektleiter des Wolgaster Runge-Jahres, schlüpften in historische Kostüme und gaben den Szenen die nötige darstellerische Tiefe.
Premiere im Sommer
„Es ist ermutigend zu sehen, mit welchem Engagement die Jugendlichen die komplexen historischen Zusammenhänge in Bilder übersetzt haben", lobten die betreuenden Medienpädagogen.
Das Projekt schlägt dabei eine Brücke zwischen schulischer Bildung und regionaler Museumsarbeit, die bereits im November 2025 durch Vorträge der Kuratorin Petra Dombrowski vorbereitet wurde.
Das Ergebnis dieser vielfältigen Woche – einem kurzen Dokumentarfilm inklusive Interviews mit den Beteiligten – wird im Sommer 2026 seine feierliche Premiere im Stadtgeschichtlichen Museum feiern. Es wird dann ein Teil der Sonderausstellung sein, die zeigt, dass Wolgast einst Teil eines überregionalen Schmuggelring war.